Frater Josef (28) und Frater Johannes (28), Novizen des Deutschen Ordens, tauchten während ihres zweiwöchigen Praktikums in den Alltag der besonderen Wohnform der Sozialen Teilhabe Schloss Tannegg bei Landau ein. Sie fanden einen Ort, an dem Begegnungen zählen, sich Menschen stärken und Humor oft Brücken baut. In seinem Bericht wirft Frater Josef einen persönlichen Blick auf diese besondere Zeit zurück.
Schloss Tannegg – der Name klingt nach Rittern und Märchen, doch tatsächlich leben hier rund 25 Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie stellen sich mutig einem Leben ohne Alkohol und Drogen und schreiben ihre ganz eigene Geschichte. Unterstützt werden sie dabei von zehn engagierten Mitarbeitenden, die den Alltag strukturieren, begleiten und dabei jede Menge Herzblut einbringen. In den Werkstätten der unterschiedlichen Arbeitsangebote wird gesägt, geschliffen, gekocht, gebastelt und im Garten gearbeitet – kurz: Hier herrscht ein lebendiges Miteinander, das den Bewohnerinnen und Bewohnern Halt gibt und neue Perspektiven eröffnet.
Und mittendrin ich – Praktikant auf Zeit, mit einem großen Rucksack voller Neugier, Respekt und einer Prise Humor. Mein erster Praktikumstag startete mit Morgensport und der Erkenntnis, dass eine Zimmerkontrolle weit mehr ist als eine Pflichtübung: Sie ist sichtbare Anerkennung für einen Alltag, den sich die Bewohnerinnen und Bewohner Schritt für Schritt neu erarbeiten. Kleine Momente, wie der Stolz zweier Männer auf ihre blitzblanken Zimmer oder das herzliche "Guten Morgen, Josef!" im Hof, haben mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig Wertschätzung im täglichen Miteinander ist.
Die Tage waren abwechslungsreich – und manchmal überraschend. Mal stand Gartenarbeit am Friedhof auf dem Plan, mal ein Ausflug zum Minigolf. In den Arbeitsangeboten durfte ich Bewohnerinnen und Bewohnern bei ihren Projekten über die Schulter schauen – von Holzarbeiten bis hin zu Bastelarbeiten, die Geduld und Humor zugleich erforderten. Auch alltägliche Aufgaben wie das Desinfizieren von Türklinken bekamen hier ihren eigenen Schwung – etwa dann, wenn ein Bewohner die Gelegenheit nutzte, gleich das halbe Mobiliar gründlich mitzupflegen. Kurz gesagt: Langeweile kommt im Schloss Tannegg garantiert nie auf.
Zwischen all den Aufgaben habe ich vor allem eines gelernt: Hinter jeder Routine steckt ein Stück Selbstständigkeit, hinter jeder Erinnerung an eine Aufgabe ein Stück Halt – und hinter jedem Gespräch ein Stück Vertrauen.
Ich bin dankbar: den Mitarbeitenden für ihre Offenheit und das Teilen ihrer Erfahrung, den Bewohnenden für ihren Mut, mich in ihren Alltag hineinzulassen – manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal sehr ernst. Mein Fazit? Schloss Tannegg ist nicht einfach nur eine besondere Wohnform der Sozialen Teilhabe – es ist ein Zuhause voller Chancen, Menschlichkeit und Humor. Ich verlasse diesen Ort mit Respekt, Dankbarkeit – und der Zuversicht, dass ein Neuanfang immer möglich ist.
WAS IST EIN NOVIZE?
Als Noviziat bezeichnet man das erste Jahr in einer Ordensgemeinschaft. Ein Kandidat wird durch die Einkleidung in den Orden aufgenommen und kann als Novize zwölf Monate lang das geistliche Leben in all seinen Facetten kennenlernen. Im Deutschen Orden soll er in dieser Zeit das gemeinsame Gebet, die Regeln und die Ordensgeschichte vertiefen und dadurch prüfen, ob dieses Leben seiner Berufung und seinen Vorstellungen entspricht. Am Ende des Noviziats kann der Novize mit dem Einverständnis der Gemeinschaft zunächst für drei Jahre seine Gelübde (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) ablegen, bevor er sich in der feierlichen ewigen Profess auf Dauer an den Orden bindet. Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung im Deutschen Orden ist es, durch Praktika die Arbeit der Ordenswerke kennenzulernen.